Tannheimer Tal
Es gibt wohl kaum ein Tiroler Tal, über das die Geschichte so früh Aufschluß gibt, wie das Tannheimer Tal.

Wie Skelettfunde belegen, haben schon keltische und germanische Jäger in grauer Vorzeit das Tannheimer Tal als Jagdgebiet aufgesucht. Im 9. Jhd. n. Chr. bestanden bereits inmitten der unermesslichen Wälder des damaligen Tannheimer Tales, in den Gegenden des heutigen Grän, Tannheim und Nesselwängle, sogenannte Alpen (Viehweiden). Die Besiedlung erfolgte vermutlich ab dem 13. Jahrhundert: Einige Bauern versuchten sich am Rande der Weideplätze sesshaft zu machen. Sie kamen aus dem heutigen Allgäu, genauer aus dem Ostrachtal und ließen sich in der nächsten Umgebung von Höfen, heute ein Ortsteil von Tannheim, nieder.
Tannheim, das "Heim im Tann", wird übrigens auch noch im "Tiroler Landreim" von 1558 wegen seines Waldreichtums gerühmt!
Die ersten Siedler unterstanden - dem allgäuischen Rechtsbrauch entsprechend - weiterhin dem Gerichts- und Grundherrn ihres Herkunftsortes, nämlich zunächst den Grafen von Montfort und den Herren von Schellenberg, und erst später den Grafen von Tirol. Bereits 1342 bestand ein Dorf "Tanhaim", das urkundlich erwähnt wird. 1416 verbriefte Herzog Friedrich IV von Tirol den Tannheimern ihre althergebrachten Rechte, die er 1432 nach dem Erwerb der Güter der Herren von Burgberg durch einen Freiheitsbrief vermehrte.
Herzog Friedrich von Tirol erwarb 1432 somit die Landeshoheit über einen Teil des Tannheimer Tales, der größere Teil fiel aber dem Bischof von Augsburg zu. Von diesem erwarben die Grafen Montfort-Rotenfels den Großteil des Tannheimer Tales.
Wirtschaftlich hatten die Tannheimer, nachdem sie den größten Teil des Tales gerodet hatten, mehr Berührungspunkte mit den westlichen und nördlichen Nachbarn, als mit dem Süden und Osten.
Erst nach einem fast 30-jährigen Besitzstreit kamen die damals bereits größtenteils freien Tannheimer im Jahre 1485 endgültig unter die Lehenshoheit Erzherzogs Sigmund von Tirol, dem Tiroler Landesfürsten, genannt "der Münzreiche". Er musste für die Lehenshoheit über das ganze Tannheimer Tal 4000 Gulden in bar und Kupfer im Wert von 300 Gulden erlegen.
Schon 1490 musste Erzherzog Sigmund von Tirol zugunsten von König Maximilian - ab 1508 Kaiser Maximilian I. - abdanken, und das "Außerfern" wurde für König / Kaiser Maximilian I. ein beliebtes Jagdgebiet, wo er von der Burg Ehrenberg aus seiner Jagdleidenschaft fröhnen konnte.
Erst unter Sigmund von Tirol rückten die Tannheimer, später (1550) infolge der Erbauung einer Salzstraße, die von Reutte über das Tannheimer Tal führte, näher zu Tirol. Die italienischen Kaufleute benützten ebenfalls gerne die kaiserliche Reichsstraße, um ihre Güter nach dem Westen zu exportieren.
So belebt diese Straße in Friedenszeiten war, so leicht war es möglich sie in Kriegszeiten zu sperren. Lediglich den gegen den Abt von St. Gallen aufständischen Appenzeller Bauern gelang es zu Beginn des 15. Jhd das Tal raubend und plündernd zu durchziehen. Sowohl die Schweden während des dreißigjährigen Krieges als auch die Franzosen mehrmals und zuletzt im historischen Jahr 1809 wurden mit Erfolg von den Tannheimern abgewehrt!
Da aber die Salzfuhren nun nicht mehr wie früher über Oy und Kempten geleitet wurden, kam es wegen des Wegzolls zu langwierigen Streitigkeiten zwischen dem Erzherzog von Österreich und dem Bischof von Augsburg, die im Jahre 1686 durch einen Vertrag beendet wurden, der bestimmte, dass künftig zwei Drittel des Salzes über Tannheim und ein Drittel über Oy transportiert werden mussten.
Der starke Warenverkehr brachte es mit sich, dass zahlreiche Gaststätten entstanden. Zu diesen alten Gasthäusern zählt das ehemalige Wirtshaus "Zur Krone" in Kienzen mit starken Mauern und mächtigen Gewölben. Auch das mit Fresken geschmückte Gasthaus "Zum Wilden Mann" , auch "Baumwirtschaft" genannt (heute Metzgerei Renn) stammt aus früher Zeit und dürfte von den Grafen von Montfort erbaut worden sein.
Zum bischöflichen Besitz gehörte die Taverne, heute "Hotel Ritter". Als Braugasthäuser waren das "Goldene Kreuz" und das "Weisse Rössel" bekannt.
In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts kamen die ersten Feriengäste nach Tannheim überwiegend noch mit dem Landauer. Im Jahr 1879 tafelte König Ludwig II. mit Königinmutter Maria von Bayern im "Goldenen Ochsen" (heute "Tannheimer Hof"). Auch seine Kaiserliche Hoheit Erzherzog Heinrich mit Gemahlin stieg 1886 dort ab. 1898 weilten Herzog Heinrich mit Gemahlin stieg 1886 dort ab. 1898 weilten Herzog Heinrich von Kalabrien und seine Gemahlin, Prinzessin Maria von Bayern, auf ihrer Hochzeitsreise hier. Der Fremdenverkehr hielt immer mehr seinen Einzug und wurde zum wichtigsten Wirtschaftszweig Tannheims.
Von den Schrecken des Krieges blieben die Tannheimer überwiegend verschont. Während der Freiheitskriege 1796 bis 1809 war das Tannheimer Tal zwar mehrmals feindlichen Angriffen ausgesetzt. Jedoch am 17. September 1796 wehrten drei Schützenkompanien des Tales den Angriff der Franzosen am Oberjoch siegreich ab. Daran erinnert noch der sogenannte "Siebezöchet", der alljährlich als Feiertag am 17. September feierlich begangen wird.



